Warum diese Bezeichnung oft missverstanden wird und was wirklich zählt
Wer sich eine Zeit lang mit Tee beschäftigt, stolpert früher oder später über Buchstaben.
OP. FOP. TGFOP.
Sie wirken technisch, fast ein wenig aus der Zeit gefallen und tauchen trotzdem bis heute auf Etiketten und in Produktbeschreibungen auf.
Gerade bei Jasmintee sorgt das für Verwirrung. Ist Orange Pekoe eine Sorte? Ein Qualitätsmerkmal? Hat es etwas mit dem Duft oder Geschmack zu tun?
Die kurze Antwort: nein. Die längere lohnt sich.
Woher der Begriff Orange Pekoe stammt
Orange Pekoe ist kein chinesischer Begriff, auch wenn er so klingt.
Er entstand im europäischen Teehandel des 19. Jahrhunderts, als Tee aus Indien und Sri Lanka systematisch für Auktionen und Export klassifiziert werden musste.
„Pekoe“ geht sehr wahrscheinlich auf einen chinesischen Ausdruck für den feinen, weißen Flaum junger Teeknospen zurück.
„Orange“ wiederum hat nichts mit Zitrusfrüchten zu tun, sondern wird meist auf das niederländische Königshaus Oranien-Nassau zurückgeführt – ein stiller Verweis auf „höhere Qualität“.
Bis heute bezeichnet Orange Pekoe (OP) ausschließlich eines:
ganze, ungebrochene Teeblätter mittlerer Größe
Nicht mehr. Nicht weniger.
Eine gute, kompakte Übersicht zum historischen Hintergrund findet sich auch hier.
OP ist kein Qualitätsversprechen
Das ist der wichtigste Punkt und der, der am häufigsten missverstanden wird. OP sagt nichts über:
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Geschmack
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Aromatik
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Herkunft
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Duftung
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handwerkliche Qualität
Ein OP-Tee kann hervorragend sein. Oder völlig durchschnittlich. Er kann weich, floral oder kräftig schmecken – je nach Ursprung und Verarbeitung. Die Buchstaben beschreiben nur, wie groß und intakt das Blatt ist, nicht, wie gut der Tee ist.
Und warum taucht OP dann bei Jasmintee auf?
Hier treffen zwei Welten aufeinander.
Traditionell chinesischer Jasmintee
In China wird Jasmintee nicht nach dem Orange-Pekoe-System klassifiziert. Stattdessen gibt es Bezeichnungen wie:
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Jasmin Chun Hao
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Jasmin Yin Hao
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Jasmin Dragon Pearls
Diese Namen beziehen sich auf Pflückstandard, Blattstruktur und Duftungsqualität – nicht auf westliche Blattgrad-Logik.
Jasmintee im westlichen Handel
Wenn du dennoch „Jasmintee OP“ liest, bedeutet das meist: Der verwendete Grundtee (oft ein grüner Tee) wurde nach westlicher Handelslogik als Ganzblatt mittlerer Größe sortiert. Mehr nicht.
OP beschreibt in diesem Fall das Blatt, nicht den Jasmin, nicht die Duftung, nicht die Qualität.
Warum OP bei Jasmintee kaum relevant ist
Bei Jasmintee entscheidet sich Qualität ganz woanders:
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Wie fein und jung ist der Grundtee?
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Wurde mit frischen Jasminblüten beduftet oder nur mit Aroma?
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Wie oft wurde der Duftungsprozess wiederholt?
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Ist der Jasmin präsent, ohne den Tee zu überdecken?
Ein sorgfältig hergestellter Jasmin Dragon Pearls Tee kann sensorisch deutlich komplexer sein als ein großblättriger „OP“-Jasmintee – auch ohne jede Buchstabenklassifizierung.
OP verstehen – ohne ihm zu viel Bedeutung zu geben
Die OP-Bezeichnung ist kein Fehler. Aber sie ist auch kein Maßstab für Genuss. Sie kann dir helfen einzuschätzen, wie der Tee aufgießt:
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ganze Blätter → meist sanftere Extraktion
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klarerer Aufguss
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weniger schnelle Bitterkeit
Für alles andere – Duft, Tiefe, Nachhall – braucht es mehr als Buchstaben. Oder anders gesagt:
Jasmintee lebt nicht von Gradierungen, sondern von Geduld und Handwerk.